„schonungslos ergreifend, herrlich verdreht und mit einem Schuss schwarzen Humors in den Venen, der so dunkel wie die Hölle ist ...“
Mark Billingham

 









erschienen im Heyne Verlag, April 2007

Jetzt erhältlich !

Der siebte Tod / The Cleaner

"Paul's unglaubliches Roman- Debut ist eine fesselnde Erzählung über Mord, Täuschung, Geheimnis und Intrige. Es ist diese Art von Buch, welches man nicht weglegen kann. Lesen Sie im Folgenden exklusiv das erste Kapitel und sichern Sie sich ihr Exemplar ab 12. April 2007 im deutschen Buchhandel!"


Joe hat sein Leben scheinbar fest im Griff - tagsüber jobbt er als Putzmann bei der Polizei, abends geht er anderen Tätigkeiten nach.
Er stört sich kaum an den Nachrichten über den Schlächter von Christchurch, der - so wird behauptet- sieben Frauen umgebracht hat. Joe weiß, dass der Schlächter nur sechs getötet hat . Er weiß es ganz einfach. Und Joe wird diesen Nachahmer finden; er wird ihn für die eine Tat bestrafen und ihm die anderen sechs Morde anhängen. Ein perfekter Plan, denn er weiß bereits , dass er die Polizei überlisten kann. Das Einzige, was noch getan werden muss,ist, sich um all die Frauen zu kümmern , die nicht aufhören, ihm im Weg zu stehen. Seine dominante Mutter zum Beispiel. Und Sally, die Kollegin, die in Joe den Ersatz für ihren toten Bruder sieht. Und dann ist da noch die mysteriöse Melissa, die einzige Frau, die Joe jemals verstanden hat, deren Erpressungs- und Folter-Fantasien jedoch keinen Platz in seinen Plänen haben.


1

Ich steuere den Wagen in die Aufahrt. Lehne mich zurück . Versuche, mich zu entspannen.

Ich schwöre bei Gott, heute hat es mindestens fünfunddreißig Grad. Christchurch - Hitze. Schizophrenes Wetter. Schweiss rinnt mir über den ganzen Körper. Meine Finger sind wie feuchter Gummi. Ich beuge mich vor, schalte den Motor aus , greife nach meinem Aktenkoffer und steige aus dem Wagen. Hier in der Gegend funktionieren immerhin die Klimaanlagen. Noch ein paar Schritte bis zur Eingangstür, dann fummle ich am Schloss herum. Und stosse einen Seufzer der Erleichterung aus , als ich eintrete.

Ich schlendere durch die Küche . Wie ich höre, ist Angela oben unter der Dusche. Ich werde sie später stören. Jetzt brauch ich erst mal etwas zu trinken . Der Kühlschrank hat eine Edelstahltür , aus der mich mein Spiegelbild anstarrt wie ein Geist. Ich öffne die Tür , gehe in die Knie und bleibe fast eine Minute lang so hocken, während ich mich mit der kühlen Luft anfreunde. Der Kühlschrank bietet mir Bier und Coke an. Ich gebe dem Bier den Vorzug, drehe den Verschluss auf und setze mich an den Tisch.

Eigentlich trinke ich nicht besonders viel, aber diese Flasche schütte ich innerhalb von zwanzig Sekunden in mich hinein. Der Kühlschrank offeriert mir noch eine Flasche. Wer bin ich schon, dass ich dazu Nein sage? Ich lehne mich auf dem Stuhl zurück.

Lege die Füße auf den Tisch. Denke darüber nach, die Schuhe auszuziehen. Kennen Sie das Gefühl? Sie arbeiten den ganzen Tag bei glühender Hitze. Acht Stunden Stress. Dann hocken Sie sich mit einem kühlen Bier in der Hand hin, legen die Füße hoch und ziehen die Schuhe aus.

Ein absoluter Hochgenuss.

Während ich der Dusche oben lausche, nippe ich entspannt an meinem zweiten Bier in diesem Jahr. Für das hier brauche ich ein paar Minuten, dann kriege ich Hunger. Zurück zum Kühlschrank und dem Stück kalter Pizza, das ich vorhin erspäht habe. Ich zucke mit den Schultern. Warum nicht? Ist ja nicht so, als ob ich auf mein Gewicht achten müsste.

Ich setze mich wieder an den Tisch. Die Füße hoch. So schmeckt auch die Pizza, nur die Schuhe wäre ich gerne noch los. Bloß habe ich im Augenblick nicht die Zeit dazu. Ich schlinge die Pizza runter, nehme meinen Aktenkoffer und gehe nach oben. Aus der Stereoanlage im Schlafzimmer dröhnt ein Lied , das ich kenne, dessen Titel mir aber nicht einfällt.

Ebenso wenig wie der Name des Sängers. Trotzdem ertappe ich mich beim Mitsummen, als ich den Aktenkoffer aufs Bett lege; sicher wird mir die Melodie noch stundenlang im Kopf rumgehen. Ich nehme neben dem Aktenkoffer Platz. Öffne ihn. Hol die Zeitung raus. Auf der Titelseite prangen lauter reißerische

Schlagzeilen. Oft frage ich mich, ob die Medien nicht die Hälfte von diesem Zeug erfinden, nur um die Auflagen zu steigern. Offensichtlich gibt es einen echten Markt für solche Meldungen.

Ich höre, wie die Dusche abgedreht wird, ignoriere das aber und lese weiter in der Zeitung. Einen Artikel über einen Kerl, der die Stadt terrorisiert. Frauen umbringt. Folter. Vergewaltigung.Mord. Der Stoff, aus dem man Filme macht. Ein paar Minuten vergehen, und ich hocke noch immer da und lese, als Angela, umgeben von weissem Dampf und dem Duft ihrer Körperlotion , aus dem Bad kommt. Sie trocknet sich die Haare mit einem Handtuch .

Ich lasse die Zeitung sinken und lächle.

Sie sieht zu mir rüber .

"Scheiße, wer sind Sie denn?", fragt sie.