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Ich steuere den Wagen
in die Aufahrt. Lehne mich zurück . Versuche, mich zu entspannen.
Ich schwöre bei Gott, heute hat es mindestens fünfunddreißig
Grad. Christchurch - Hitze. Schizophrenes Wetter. Schweiss rinnt
mir über den ganzen Körper. Meine Finger sind wie feuchter
Gummi. Ich beuge mich vor, schalte den Motor aus , greife nach
meinem Aktenkoffer und steige aus dem Wagen. Hier in der Gegend
funktionieren immerhin die Klimaanlagen. Noch ein paar Schritte
bis zur Eingangstür, dann fummle ich am Schloss herum. Und
stosse einen Seufzer der Erleichterung aus , als ich eintrete.
Ich schlendere durch die Küche . Wie ich höre, ist Angela
oben unter der Dusche. Ich werde sie später stören.
Jetzt brauch ich erst mal etwas zu trinken . Der Kühlschrank
hat eine Edelstahltür , aus der mich mein Spiegelbild anstarrt
wie ein Geist. Ich öffne die Tür , gehe in die Knie
und bleibe fast eine Minute lang so hocken, während ich mich
mit der kühlen Luft anfreunde. Der Kühlschrank bietet
mir Bier und Coke an. Ich gebe dem Bier den Vorzug, drehe den
Verschluss auf und setze mich an den Tisch.
Eigentlich trinke ich
nicht besonders viel, aber diese Flasche schütte ich innerhalb
von zwanzig Sekunden in mich hinein. Der Kühlschrank offeriert
mir noch eine Flasche. Wer bin ich schon, dass ich dazu Nein sage?
Ich lehne mich auf dem Stuhl zurück.
Lege die Füße
auf den Tisch. Denke darüber nach, die Schuhe auszuziehen.
Kennen Sie das Gefühl? Sie arbeiten den ganzen Tag bei glühender
Hitze. Acht Stunden Stress. Dann hocken Sie sich mit einem kühlen
Bier in der Hand hin, legen die Füße hoch und ziehen
die Schuhe aus.
Ein absoluter Hochgenuss.
Während ich der Dusche oben lausche, nippe ich entspannt
an meinem zweiten Bier in diesem Jahr. Für das hier brauche
ich ein paar Minuten, dann kriege ich Hunger. Zurück zum
Kühlschrank und dem Stück kalter Pizza, das ich vorhin
erspäht habe. Ich zucke mit den Schultern. Warum nicht? Ist
ja nicht so, als ob ich auf mein Gewicht achten müsste.
Ich setze mich wieder an den Tisch. Die Füße hoch.
So schmeckt auch die Pizza, nur die Schuhe wäre ich gerne
noch los. Bloß habe ich im Augenblick nicht die Zeit dazu.
Ich schlinge die Pizza runter, nehme meinen Aktenkoffer und gehe
nach oben. Aus der Stereoanlage im Schlafzimmer dröhnt ein
Lied , das ich kenne, dessen Titel mir aber nicht einfällt.
Ebenso wenig wie der Name des Sängers. Trotzdem ertappe ich
mich beim Mitsummen, als ich den Aktenkoffer aufs Bett lege; sicher
wird mir die Melodie noch stundenlang im Kopf rumgehen. Ich nehme
neben dem Aktenkoffer Platz. Öffne ihn. Hol die Zeitung raus.
Auf der Titelseite prangen lauter reißerische
Schlagzeilen. Oft frage ich mich, ob die Medien nicht die Hälfte
von diesem Zeug erfinden, nur um die Auflagen zu steigern. Offensichtlich
gibt es einen echten Markt für solche Meldungen.
Ich höre, wie die Dusche abgedreht wird, ignoriere das aber
und lese weiter in der Zeitung. Einen Artikel über einen
Kerl, der die Stadt terrorisiert. Frauen umbringt. Folter. Vergewaltigung.Mord.
Der Stoff, aus dem man Filme macht. Ein paar Minuten vergehen,
und ich hocke noch immer da und lese, als Angela, umgeben von
weissem Dampf und dem Duft ihrer Körperlotion , aus dem Bad
kommt. Sie trocknet sich die Haare mit einem Handtuch .
Ich lasse die Zeitung sinken und lächle.
Sie sieht zu mir rüber .
"Scheiße, wer sind Sie denn?", fragt sie.
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